Von root, 20. November 2021

Diese Bewährung aber durch den Tod hebt eben so die Wahrheit, welche daraus hervorgehen sollte, als damit auch die Gewißheit seiner selbst überhaupt auf; denn wie das Leben die natürliche Position des Bewußtseyns, die Selbstständigskeit ohne die absolute Negativität, ist, so ist er die natürliche Negation desselben, die Negation ohne die Selbständigkeit, welche also ohne die geforderte Bedeutung des Anerkennens bleibt.

Von root, 20. November 2021

Die Darstellung seiner aber als der reinen Abstraction des Selbstbewußtseyns besteht darin, sich als reine Negation seiner gegenständlichen Weise zu zeigen, oder es zu zeigen, an kein bestimmtes Daseyn geknüpft, an die allgemeine Einzelnheit des Daseyns überhaupt nicht, nicht an das Leben geknüpft zu seyn. Diese Darstellung ist, das gedoppelte Thun; Thun des andern, und Thun durch sich selbst. Insofern es Thun des andern ist, geht also jeder auf den Tod des andern.

Von root, 20. November 2021

Das Selbstbewußtseyn ist zunächst einfaches Fürsichseyn, sichselbstgleich durch das Ausschließen alles andern aus sich; sein Wesen und absoluter Gegenstand ist ihm Ich; und es ist in dieser Unmittelbarkeit, oder in diesem Seyn seines Fürsichseyns, Einzelnes. Was anderes für es ist, ist als unwesentlicher, mit dem Charakter des negativen bezeichneter Gegenstand. Aber das Andre ist auch ein Selbstbewußtseyn; es tritt ein Individuum, einem Individuum gegenüber auf.

Von root, 20. November 2021

Dieser reine Begriff des Anerkennens, der Verdopplung des Selbstbewußtseyns in seiner Einheit, ist nun zu betrachten, wie sein Proceß für das Selbstbewußtseyn erscheint. Er wird zuerst die Seite der Ungleichheit beyder darstellen, oder das Heraustreten der Mitte in die Extreme, welche als Extreme sich entgegengesetzt, und das eine nur anerkanntes, der andre nur anerkennendes ist.

Von root, 20. November 2021

In dieser Bewegung sehen wir sich den Proceß wiederholen, der sich als Spiel der Kräffte darstellte, aber im Bewußtseyn. Was in jenem für uns war, ist hier für die Extreme selbst. Die Mitte ist das Selbstbewußtseyn, welches sich in die Extreme zersetzt, und jedes Extrem ist diese Austauschung seiner Bestimmtheit, und absoluter Uebergang in das entgegengesetzte. Als Bewußtseyn aber kommt es wohl außer sich, jedoch ist es in seinem außersichseyn zugleich in sich zurückgehalten, für sich, und sein Außersich ist für es.

Von root, 20. November 2021

Das Thun ist also nicht nur insofern doppelsinnig, als es ein Thun ebensowohl gegen sich als gegen das andre, sondern auch insofern, als es ungetrennt ebensowohl das Thun des Einen als des Andern ist.

Von root, 20. November 2021

Diese Bewegung des Selbstbewußtseyns in der Beziehung auf ein anderes Selbstbewußtseyn ist aber auf diese Weise vorgestellt worden, als das Thun des Einen; aber dieses Thun des einen hat selbst die gedoppelte Bedeutung, ebensowohl sein Thun als das Thun des Andern zu seyn; denn das andere ist ebenso selbstständig, in sich beschlossen, und es ist nichts in ihm, was nicht durch es selbst ist.

Von root, 20. November 2021

Diß doppelsinnige Aufheben seines doppelsinnigen Andersseyns ist ebenso eine doppelsinnige Rückkehr in sich selbst; denn erstlich erhält es durch das Aufheben sich selbst zurück; denn es wird sich wieder gleich durch das Aufheben seines Andersseyns; zweytens aber gibt es das andere Selbstbewußtseyn ihm wieder ebenso zurück, denn es war sich im andern, es hebt diß sein Seyn im andern auf, entläßt also das andere wieder frey.

Von root, 20. November 2021

Es muß diß sein andersseyn aufheben; diß ist das Aufheben des ersten Doppelsinnes, und darum selbst ein zweyter Doppelsinn; erstlich, es muß darauf gehen, das andere selbstständige Wesen aufzuheben, um dadurch seiner als des Wesens gewiß zu werden; zweytens geht es hiemit darauf, sich selbst aufzuheben, denn diß andere ist es selbst.

Von root, 20. November 2021

Es ist für das Selbstbewußtseyn ein anderes Selbstbewußtseyn; es ist außer sich gekommen. Diß hat die gedoppelte Bedeutung, erstlich, es hat sich selbst verloren, denn es findet sich als ein anderes Wesen; zweytens, es hat damit das Andere aufgehoben, denn es sieht auch nicht das andere als Wesen, sondern sich selbst im andern.